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Montag, 13. Februar 2017

Rezension zu "Thorsten Havener, Michael Spitzbart: Denken Sie nicht an einen blauen Elefanten! Die Macht der Gedanken, Rowohlt"

Wenig Neues zum Thema Gedankenfreiheit gut verpackt und auf den Punkt gebracht

Die Autoren zeigen anschaulich, dass unsere Gedanken nicht frei sind und zeigen nach persönlicher Auswahl Wege auf wie man sich von Gewohnheiten, Entscheidungsabhängigkeiten und altgedienten Assoziationen löst. Dies zeigt Havener anhand persönlicher Erfahrungen, Studien und anschaulicher Experimente, während Spitzbart die wissenschaftlichen Zusammenhänge kurz und verständlich erläutert.

Das Buch ist in vier Teile eingeteilt:

Kapitel 1 - Unsere Gedanken sind nicht frei: Das ist meines Erachtens der beste Teil des Buches. Hier zeigt Havener anschaulich anhand Experimenten zum Beispiel wie wir im Laufe  unseres Lebens konditioniert worden sind und dass unsere individuelle Entscheidungen gar nicht so individuell ist.

Kapitel 2 - Unsere Gedanken sind frei: Hier zeigen die Autoren Methoden, die helfen sich aus dem eigenen Gedankendickicht zu befreien. Die Methoden sind eine Atemübung, eine abgewandelte Form der Muskelrelaxation nach Jakobsen, Visualisierung und Verankerung neuer Bilder.

Kapitel 3 - Mindpower - die Welt aus den Angeln heben: Hier wird gezeigt, was man mit der Kraft der Gedanken erreichen kann, aber auch worin ihre Grenzen liegen. Erläutert wird hier unter anderem der Plazeboeffekt, wie man meditiert und sich Ziele setzt, die man auch erreicht.

Kapitel 4 - Mnemotechnik: Updates fürs Gehirn: In diesem Kapitel werden kurz mehrere Mnemotechniken wie z. B. die Loci-Technik, vorgestellt.

Obwohl ich nur zwei, drei popolärwissenschaftliche Bücher zu ähnlichen Themen gelesen habe,  kannte schon fast alle Beispiele und Methoden - insofern nichts Neues. Angesprochen haben mich aber die Experimente und der klare Aufbau der ersten drei Kapitel, das vierte Kapitel passt zu der Thematik, denke ich, nicht so richtig. Die Methoden sind oft nur kurz angerissen, ich denke Entspannungsmethoden wie Muskelrelaxation und Meditation sind schwer anhand einer Anleitung von einer 3/4-Seite zu erlernen. Es fehlt ein Stichwortverzeichnis und ein Quellenverzeichnis, um Themen, die einen interessieren, vertiefen können.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Rezension zu "Steven D. Levitt, Stephen J. Dubner: Think like a freak"

Hier wird verraten, wie man dem Garten beibringt, sein Unkraut selbst zu jäten

Ich habe schon die beiden anderen Bücher der Autoren gelesen. In „Freakonomics“ und „Superfreakonomics“ haben sie durch Statistik und Andersdenken ungewöhnliche Zusammenhänge aufgedeckt, wie zum Beispiel, dass die Freigabe von Abtreibungen in den USA zu signifikant geringerer Kriminalität geführt hat. Ich hatte mich beim Lesen köstlich amüsiert, mich aber auch gefragt, was fange ich damit an? Was nützen mir diese Erkenntnisse für mein eigenes Leben? Meine Antwort war damals: nichts.

Das ist bei diesem Buch anders. Hier versuchen die Autoren Ratschläge fürs Leben zu geben, etwa wie man durch „Denken wie ein Freak“ Lösungen nicht ganz so einfacher Probleme findet, wie man Probleme sich selbst lösen lässt, warum Aufgeben manchmal von Vorteil ist, wie Menschen auf Anreize reagieren und wie man Leute überzeugt, die nicht überzeugt werden wollen.

Nun, Levitt und Dubner schreiben, man überzeugt Leute, indem man Geschichten erzählt. Das tun sie in diesem Buch - und sie überzeugen, auch wenn ich viele dieser Geschichten zumindest im Ansatz kannte.

Beispielsweise wurde in einer armen Provinz in China festgestellt, dass ein großer Anteil der schlechten Schüler nicht gut sah. Durch eine Brille lernten die Schüler 25-50 % mehr und das dank einer Maßnahme, die ungefähr 15 Dollar pro Kind kostete. Das zum Thema kleine Maßnahme, große Wirkung.

Man erfährt auch, dass der zuständige Oberingenieur einer Zulieferfirma der NASA für eine weitere Startverschiebung der Challenger-Rakete war, die später verunglückte. Der Ingenieur verweigerte seine Unterschrift, aus den Gründen (mögliche Probleme mit Gummidichtungsringen, da es in der vorigen Nacht Minusgrade gegeben hatte), die sich später als die Ursache des Unglücks herausstellten. Soweit zum Thema etwas aufzugeben oder zumindest zeitweilig zu verschieben.

Gut finde ich das Buch,
- weil es dazu auffordert, auch mal „ich weiß es nicht“ zu sagen,
- weil es darlegt, dass man seine eigene Fähigkeit zur Voraussage überschätzt,
- weil es klarmacht, dass viele große ungelöste Probleme kleine, ineinander verwobene Probleme sind, die man vielleicht eher lösen kann, wenn man sich einem kleinen überschaubaren Anteil des Problems nähert,
- weil es zeigt, dass falsche Anreize die Verschlimmerung eines Problems bewirken können,
- und weil Levitt und Dubner darauf hinweisen, dass manche Probleme bisher nicht gelöst wurden, weil man sich zu ihnen die falschen Fragen stellt.


FAZIT: In diesem Buch findet sich wenig neue Forschungsarbeit, dafür haben sich die Autoren Gedanken gemacht, wie man mit Andersdenken besser durchs Leben kommt. Ich denke, durchaus erfolgreich, wie Freaks eben.

5 von 5 Sternen


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Freitag, 20. März 2015

Rezension zu "Eckstein: Um die Ecke gedacht 19 - 66 Kreuzworträtsel aus der Zeit"

Ein kniffliger Klassiker, der noch in 100 Jahren Spaß machen wird

Vor Jahren, als mein Mann und ich noch keine Kinder und die Zeit abonniert hatten, war unser wöchentliches Knobel-Highlight das Zeiträtsel. Dieses Rätsel forderte einen ganz anders heraus als die fast stupiden Standard-Schwedenrätsel, bei denen man, wenn man sie häufig löste, praktisch auf Anhieb jedes Wort eintragen konnte.

Für das Zeiträtsel sind sowohl umfassendes Wissen als auch Kombinationsgabe erforderlich. Mal muss man Analogien ziehen, mal wird eine Doppelbedeutung gesucht, mal ist ein Wort in einem anderen versteckt oder mal fehlt ein Wort eines nicht ganz so bekannten Zitats. Die Lösungsmöglichkeiten sind vielfältig. Und vielleicht durch das Herumrätseln tatsächlich das Denkvermögen geschult, wer weiß?

So ein bisschen hatten wir befürchtet, dass die Rätsel mittlerweile für uns zu schwer sind. Aber nach ein paar sind wir wieder drin und es macht noch genauso viel Spaß wie vor Jahren. Wieso hatten wir eigentlich damit aufgehört?

Ein bisschen leichter wie früher haben wir es, denn damals war das Internet noch nicht so leicht verfügbar. Heute schauen wir die eine oder andere Frage mal kurz mit dem Tablet nach und sollte das nicht helfen, gibt es ja noch die Auflösung hinten im Heft in Spiegelschrift.

FAZIT: Heutzutage gibt es noch andere Rätsel, deren Schwierigkeitsgrad vergleichbar ist. Für Freunde der etwas vertrackten Kreuzworträtsel ist das Lösen dieser 66 Zeit-Rätsel immer noch ein Vergnügen.

5 von 5 Sternen

Weitere Info:


Samstag, 12. Juli 2014

Rezension zu: "Ralf Mertens, Antje Heinrich: 99 Tipps für effektiveres Denken und Lernen: Arbeitsmethodik, Lerntechniken und vernetztes Denken"

Viele gute Tipps ertrinken im Datenwust


Das Buch bietet jede Menge Tipps fürs bessere Denken und Lernen, nicht nur 99. Obwohl es ausgezeichnet strukturiert ist und vor jedem Kapitel mit einem Mindmap einen Überblick über das Kapitel gegeben wird, hatte ich doch das Gefühl in einer Unzahl von Tipps zu ertrinken. Es geht um Grundlegendes wie Arbeitsplatz, Einstellung zum Lernen, Zeiteinteilung, wie man mit Prüfungsängsten umgeht, was man gegen Antriebslosigkeit tut, wie man sich Lerninhalte langfristig merken kann, die optimale Ernährung und Konzentration. Es werden viele Methoden von Mindmap, NLP bis Mnemotechniken erläutert, wie man Fremdsprachen lernt, seine Kreativität steigert und wie man einem Lernstoff Struktur gibt.

Alles wird kurz und bündig erklärt, ab und zu mit Beispielen, die mir aber zu allgemein gehalten sind. Es wird einiges im Bezug aufs Lernen behauptet, das vermutlich wahr ist, Bezüge zu Forschungsarbeiten aber werden nicht immer gezogen.

FAZIT: Ich gebe dem Buch trotzdem 4 Sterne, weil in dem Buch wirklich viele ausgezeichnete Lerntipps enthalten sind, die, wenn man sich dann durchgewühlt hat, wirklich fürs Lernen und Denken hilfreich sein können.



4 von 5 Sternen

Samstag, 3. Mai 2014

Rezension zu "John B. Arden: Gedächtnistraining für Dummies"

Guter Überblick zum Thema Gehirn und Merktechniken

Anfangs stellt Arden stellt das Gehirn, seine Funktionsweise und wie seine Merkfähigkeit beeinflusst wird vor und erläutert verschiedene Memotechniken wie die Verknüpfung von Zahlen mit Symbolen und Orten. Er geht auf Entspannungsmethoden ein, wie man am Arbeitsplatz effektiv arbeitet, sich gut auf Prüfungen vorbereitet und sich gut Termine und Zahlenfolgen merkt. Abgerundet wird das Buch durch hilfreiche Internet-Links und ein Stichwortverzeichnis.

Das meiste von dem, was im Buch steht, ist bekannt, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt hat. Aber zwei Aspekte sind mir bei diesem Buch besonders in Erinnerung geblieben: Arden spricht vom Überlernen und meint damit, dass man das, was man lernt, in einen Kontext einbeziehen und von verschiedenen Seiten betrachten soll, damit das Thema besser in Erinnerung bleibt. Außerdem weist er darauf hin, dass man nur das abrufen kann, was man eingespeichert hat. Deshalb ist es umso wichtiger, dass man sich mit voller Aufmerksamkeit dem Lernen widmet.

Gefehlt haben mir etwas die Literaturverweise und die praktischen Beispiele.


FAZIT: Das Buch gibt einen guten Überblick darüber, wie man das Gedächtnis für Alltag, Studium und Arbeit verbessern kann. Mit mehr Literaturverweisen und praktischen Beispielen hätte es von mir 5 Sterne gegeben.

4 von 5 Sternen


Weitere Info:
Dr. John Boghosian Arden ist Direktor des psychologischen Ausbildungszentrums des Kaiser Permanente Medical Centers in Nordkalifornien.

Samstag, 22. März 2014

Rezension zu "Rebecca Niazi-Shahabi: Ich bleib so scheiße, wie ich bin: Lockerlassen und mehr vom Leben haben"

Erfrischender Gegenentwurf zum allseits postulierten Erfolgsstreben, zur Selbstoptimierung und Selbstverwirklichung

Sehr provokativ argumentiert die Autorin, dass sich das alles nicht lohnt und man sehr viel zufriedener in der Mittelmäßigkeit lebt. Sie schreibt sehr amüsant, sodass ich des Öfteren laut loslachen musste, an anderen Stellen hingegen, blieb mir dafür das Lachen im Halse stecken.

Sie erzählt davon, wie es stresst, Erfolg haben zu müssen und wie entspannend es ist, stattdessen vor dem Fernseher zu sitzen oder eine Party mit Freunden zu feiern. Sie erzählt davon, wie bedrückend es ist, trotz großer Mühen die Selbstoptimierung (zum Beispiel schlanke Figur oder Chefposten) nicht erreicht zu haben. Sie stellt infrage, ob das Erreichen eines Ziels, z. B. schlank und attraktiv sein, wirklich glücklich macht, wenn sich kein Mann traut, die nun perfekte Frau anzusprechen. Oder dass man oft Ziele anstrebt, die andere für uns gesetzt haben. Für den Erfolg muss man oft viel Mühe investieren und sich früh spezialisieren, da sonst die anderen besser sind. Aber wo bleibt dann die Zeit fürs Probieren, für den Genuss und für das Leben?

FAZIT: Die Autorin fordert sehr einseitig nach den Glaubenssatz „Du bist o.k. so wie du bist“ zu leben. Normalerweise bevorzuge ich ausgewogenere Bücher. Aber da es Hunderte von Büchern gibt, die ständige Verbesserung fordern, sei ihr das erlaubt. Was ich aus dem Buch ziehen soll, weiß ich noch nicht. Während ich darüber nachdenke, Winterspeck hin oder her, hole ich mir noch einen Schokoriegel aus der Küche.

4 von 5 Sternen

Mittwoch, 15. Januar 2014

Rezension zu "Steven D. Levitt, Stephen J. Dubner: Superfreakonomics - Nichts ist so wie es scheint"

Amüsante Fortsetzung von Freakonomics

Die Autoren laden wie im ersten Band ein, die Welt aus Sicht der Ökonomen zu betrachten. Sie wenden ökonomische Methoden wie Statistik auf alltägliche Probleme oder Situationen an oder berichten von solchen Untersuchungen.

Zum Inhalt:

Einleitung - Hier wird erläutert, was Freakonomics überhaupt ist und wird zum Beispiel geklärt, ob es für einen Betrunkenen gefährlicher ist zu Fuß nach Hause zu gehen oder mit dem Auto zu fahren.

Kapitel 1 widmet sich den Frauen: Es wird unter anderem geklärt, was wirklich für das Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen verantwortlich ist, oder ob es sich lohnt als Prostituierte einen Zuhälter zu haben.

In Kapitel 2 werden unterschiedliche Aspekte von Geburt und Tod erörtert, zum Beispiel wann der schlechteste Monat ist, um ein Baby zu bekommen oder was für Möglichkeiten es gibt, den Tod hinauszuzögern.

Kapitel 3 - Hier wird gezeigt, dass die Leute weder so gut noch so schlecht sind, wie wir denken. Ein Fall von unterlassener Hilfeleistung wird genauer betrachtet und analysiert in welchen Fällen Menschen großzügig sind.

Kapitel 4 - In diesem Kapitel werden scheinbar unlösbare Probleme auf überraschende Weise gelöst. Genannt wird hier u.a. Ignatz Semmelweis, der herausfand, warum so viele Frauen im Kindbett starben.

Kapitel 5 - Hier werden ungewöhnliche Vorschläge zur Reduktion der globalen Klimaerwärmung gemacht.

Fazit: Das Buch ist ansprechend geschrieben und unterhaltsam zu lesen, wenngleich der Leser wohl wenig für sein Leben lernen kann. Höchstens das eine vielleicht - dass es manchmal gut ist, eine Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
 
4 von 5 Sternen