Mittwoch, 19. August 2015

Rezension zu "Petra Bracht, Roland Liebscher-Bracht: Faszien-Rollmassage - Schmerzfrei von Kopf bis Fuß, Goldmann"

Hilfreich

Faszien sind laut der Autoren dünne Fasern, die Muskelfasern und Ähnliches im Körper umhüllen. Bewegt man sich wenig oder einseitig kann es zu starken Spannungen in Faszien und Muskeln durch Verkürzungen, Verfilzungen und Verdickungen derselben kommen, was zu Schmerzen führen kann.

Die im Buch vorgestellte Methode ist als Ergänzung zur therapeutischen Behandlung zum Beispiel der Autoren (Osteopressur) gedacht, um Behandlungserfolge von Therapien zu manifestieren, die Beweglichkeit des eigenen Körpers zu erhöhen oder um Schmerzen vorzubeugen.

Der Ansatz besteht aus 3 konkreten Maßnahmen:
1. der Einsatz von Wärme bei akuten Problemen (zum Beispiel durch Abduschen mit einem heißen Wasserstrahl)
2. die Durchführung der Faszien-Rollmassage für die schmerzenden Körperbereiche, um Muskelverspannungen zu reduzieren
3. die Muskeln neu zu programmieren durch von den Autoren sogenannter Schmerzfrei-Übungen, welches vor allem Dehnungsübungen sind

Die Durchführung der Faszien-Rollmassage ist einfach. Man benutzt kleine Bälle oder Rollen und rollt geradlinig oder in Spiralen über die schmerzenden Körperbereiche. Die Bereiche sind im Buch recht blass eingezeichnet, aber erkennbar. Es werden Hinweise gegeben, was in der jeweiligen Zone zu beachten ist: zum Beispiel, dass man im Halsbereich nicht über den Kehlkopf rollen darf. Hilfreich dazu ist die DVD auf der alle Faszien-Rollmassagen gezeigt werden. Je nach Bereich kann man die Wand oder den Boden zu Hilfe nehmen (man muss dann nicht selbst mit dem Arm Druck ausüben, was beispielsweise die Unterarme schont).

Da ich schon gute Erfahrungen mit einer anderen Faszien-Methodik (Behandlung von Triggerpunkten) gemacht habe, wollte ich diese Methode auch mal ausprobieren. Aufgrund einer Zahn-Fehlbehandlung und einer daraus resultierenden Kieferfehlstellung mache ich eine Zahnschienen-Therapie, durch die sich bei mir die Körperstellung geändert hat. Dadurch verändert sich bei mir gerade die Muskulatur im ganzen Körper, was auch mit Schmerzen zum Beispiel in der Hüfte verbunden ist. Ich bekomme Physiotherapie und suchte nach einer einfachen Methode, die ich allein ohne andere dauerhaft durchführen kann und mir hilft, meine Schmerzen zu reduzieren.

Ich testete alle Körperbereiche (auch nicht schmerzende) anfangs mit einem Tennisball durch und habe die Rollmassage als wohltuend und angenehm empfunden. Je nach Körperbereich kann man sich da besser oder schlechter selbst behandeln. Seit ein paar Wochen mache ich die Übungen für den Hüftbereich (Übungen für unteren Rücken und Gesäß). Hier nutze ich den Ball mit der Wand oder dem Boden. Meine Beschwerden verringerten sich um einiges. Bei Nackenproblemen kommt man selbst nicht so gut an die Problemzonen.

Die Autoren bieten auf ihrer Internetseite ein Set aus 2 Bällen und 2 Rollen mit DVD an, das 50 € + Porto kostet, was recht viel angesichts der wahrscheinlichen Produktionskosten ist. Allerdings verlangt die Konkurrenz im Internet ähnliche Preise.

Bei der DVD ist es etwas lästig, dass man auf dem Fernseher nicht sieht, wo man sich im Auswahlmenü gerade befindet (das wird nicht hervorgehoben). Schiebt man die DVD nicht in einen DVD-Player, sondern in einen Computer, kann man den Übungsbereich mit der Maus auswählen.

Wichtig bei dieser Methode ist, nicht nur die Rollmassagen zu machen, sondern auch die Dehnübungen. Diese sind leider nicht auf der DVD enthalten. Ich empfand die Fotos für die Dehnübungen öfters zu klein und die Erläuterungen teilweise als recht kompliziert, zum Beispiel für die Augen und für das Gesäß. Zum Teil habe ich eher die Dehnübungen angewendet, die mir meine Physiotherapeutin gezeigt hat.


FAZIT: Ich sehe die Methodik (zuerst Faszien-Rollmassage und dann die Dehnübungen) als gute Ergänzung für eine Physiotherapie oder zur Vorbeugung. Die Rollmassage ist einfach zu erlernen und je nach Körperregion gut zur Selbstbehandlung geeignet. Am besten gefielen mir die Übungen, bei denen man auch die Wand nutzen kann (bei mir: unterer Rücken, Unterarme). Die Methode brachte mir bei meinen Hüftschmerzen erhebliche Linderung, aber bisher keine dauerhafte Schmerzfreiheit. 

4 von 5 Sternen


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